UNFOLDED FESTIVAL 2026 | GMUND
Ein Tag voller Inspiration zwischen Exhibition und Conference.
Besonders die Conference hat gezeigt, wie eng Design, Haltung und Beziehung heute miteinander verbunden sind. Gleich zu Beginn stand das Spannungsfeld des Paradoxen im Raum: In einer Welt voller Widersprüche geht es nicht darum, Eindeutigkeit zu erzwingen, sondern Ambivalenz auszuhalten und daraus Relevanz zu schaffen. Ein Gedanke, der sich durch viele Vorträge gezogen hat: Menschen sind keine Ressourcen. Sie brauchen nicht nur Prozesse und Effizienz, sondern auch Poesie, Sinn und echte Resonanz.
Immer wieder ging es um die Rolle von Design – nicht als dekorative Oberfläche, sondern als strategisches Werkzeug. Design schafft Differenzierung, Identität und Bedeutung. Es übersetzt Werte in Form, Material und Erlebnis. Ob im Textilbereich, bei Packaging, in Retail-Konzepten oder sogar in einer Urne aus Gmund Papier: Gestaltung wird dann stark, wenn sie nicht nur funktional ist, sondern emotional berührt und kulturelle Relevanz schafft.





Ein weiterer roter Faden war die Kraft des Analogen. Je digitaler unsere Welt wird, desto wichtiger werden physische Räume, Materialien und sinnliche Erlebnisse. Analoge Orte wie die BMW Welt oder Gut Schwärzenbach wurden als Beispiele genannt für Räume, die nicht nur Marken inszenieren, sondern Begegnung ermöglichen. Auch im Handel bleibt das relevant: Der physische Point of Sale und Filialen sind keine Auslaufmodelle, sondern zentrale Orte für Markenerlebnis, Beziehung und Vertrauen. Es geht längst nicht mehr nur darum, ein Produkt zu verkaufen, sondern darum, Momente zu schaffen.
“It’s paying for a moment, not only for a product.”
Besonders stark war auch der Blick auf Authentizität. Das Perfekte verliert an Relevanz, wenn es keine Geschichte erzählt. Gerade das Unperfekte – sichtbare Pigmente, Unebenheiten, Materialität – schafft Glaubwürdigkeit, Charakter und Nähe. Authentizität entsteht dort, wo nicht alles glatt ist, sondern wo Herkunft, Handwerk und Haltung spürbar bleiben.



Auch Leadership wurde neu gedacht: Exzellenz ohne Liebe bleibt funktional. Erst durch Empathie, Aufmerksamkeit und echte Zuwendung wird aus Führung Empowerment. Aus Liebe entsteht Beziehung – und aus einer Kundennummer ein Mensch. Sich selbst treu zu bleiben, war dabei eine der stärksten Botschaften des Tages: für Marken, für Unternehmen und für Führungspersönlichkeiten gleichermaßen.
Mein persönliches Fazit: In einer Welt der Vergleichbarkeit entsteht Relevanz nicht durch Lautstärke oder Perfektion, sondern durch Haltung, Kreativität und echte Verbindung. Kreativität nutzt sich nicht ab – sie wird mehr, je mehr wir sie einsetzen. Humans must create. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis des Tages: Vor der Begehrlichkeit kommt die Neugierde.